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Ursachen Behandlung von Mundgeruch
Datum 08/05/2010 04:44  Autor Dr. med. dent. Karsten Heurich  Hits 4434  Sprache Global

Mundgeruch (Synonyme dafür sind: Halitosis, bad breath, Foetor ex ore ,oral malodor) ist ein weitverbreitetes und oft unterschätztes Problem. Ca. 75% aller Erwachsenen leiden mehr oder weniger häufig unter Mundgeruch, etwa. 25% sogar ständig. Doch die wenigsten Menschen wissen über ihr Leiden Bescheid. Denn das Ungewöhnliche an schlechtem Atem ist, dass man ihn fast nie selbst bemerkt. Die Betroffenen sind also darauf angewiesen, von ihren Mitmenschen darauf aufmerksam gemacht zu werden. Häufig passiert aber gerade das nicht, denn das Thema Mundgeruch gehört in unserem Kulturkreis immer noch zu den großen Tabus. Sehr langsam erst setzt ein Wandel in den Medien ein. So hat die Industrie das Thema "Frischer Atem" als interessante Werbebotschaft erkannt und bewirbt viele Mittel als besonders wirksam gegen Mundgeruch. Der weltweite Umsatz, der mit solchen Produkten gegen Mundgeruch erzielt wird, ist enorm hoch. Spezielle Zahnpasten, Mundwasser, Kaugummis, Bonbons sollen frischen Atem garantieren und Mundgeruch zuverlässig verhindern. Die meisten dieser Produkte haben aber lediglich einen kurz anhaltenden, maskierenden Effekt und haben mit einer ursachenbezogenen Behandlung überhaupt nichts zu tun. Ganz im Gegenteil können diese Mittel in bestimmten Fällen den Mundgeruch sogar fördern. Im Zusammenhang mit diesen Werbemaßnahmen macht sich außerdem ein weiteres Phänomen bemerkbar.


Nicht wenige Menschen sind mittlerweile fest davon überzeugt, an schlechtem Atem zu leiden, ohne dass dies tatsächlich so ist. Man spricht in diesen Fällen von einer sogenannten Mundgeruchsphobie (medizinischer Fachausdruck: Halitophobie).

Wer aber wirklich Mundgeruch hat und darunter leidet, ist auch nicht besser dran. Wem soll er sich anvertrauen? Prinzipiell ist es erst einmal richtig, einen Mediziner um Rat zu fragen. Doch welcher Facharzt ist eigentlich dafür zuständig? Im Volksmund ist immer noch die Meinung vorherrschend, der Mundgeruch komme vom Magen. Meist werden deshalb als erste Ansprechpartner Allgemeinmediziner und Internisten aufgesucht. Langwierige und meist unangenehme Untersuchungen folgen. Nicht wenige Patienten lassen sich mit einer Magenspiegelung und anschließenden therapeutischen Maßnahmen quälen, ohne dass tatsächlich eine Besserung eintritt.

Doch Abhilfe naht:
Was in anderen Ländern schon länger existiert, setzt sich allmählich auch in Deutschland durch: Spezialpraxen für die Behandlung von Halitosis. Einige Mediziner haben sich auf die Analyse und Behandlung von Mundgeruch spezialisiert und bieten den Betroffenen Ihre Dienste an. Durch eine Recherche im Internet lassen sich diese Praxen mittlerweile leicht herausfinden. Doch Achtung: Da Mundgeruch nicht als Krankheit angesehen wird, werden die Kosten einer solchen Spezialuntersuchung lediglich von einigen privaten Krankenkassen übernommen! Eine Erstattung durch die gesetzliche Krankenkasse erfolgt generell nicht. Aus diesem Grund sollten die Kosten im Vorfeld abgefragt und dabei auch die Erfahrung des jeweiligen Behandlers berücksichtigt werden. Denn hinter mancher "Mundgeruchsprechstunde" versteckt sich bei genauerem hinsehen lediglich eine ausführlichere Prophylaxesitzung. Eine regelmäßige Zahnreinigung reduziert zwar deutlich die Entstehung von Mundgeruch, ist jedoch als einzelne Maßnahme zur Behandlung von massivem Mundgeruch sicher ungeeignet.



Doch wie entsteht er eigentlich, was sind die Ursachen von Mundgeruch?
Die eigentlichen Ursachen liegen laut neuesten wissenschaftlichen Untersuchungen im Mund und Rachenbereich. Hier leben etwa 300 bis 400 verschiedene Bakterienarten. Doch nicht alle davon sind für die Entstehung von Halitosis verantwortlich. Lediglich etwa 80 Bakterienarten  sind für die unangenehme Geruchsbildung verantwortlich. Diese Bakterien nisten vorwiegend auf dem hinteren Zungenanteil und bevölkern von dort aus den gesamten Mundraum. Sie verstecken  sich in  den kleinsten Nischen, z.B. in Zahnzwischenräumen und Zahnfleischtaschen. Die schwefelhaltigen Abbauprodukte dieser eiweißzersetzenden Bakterien führen dann zu den bekannten unangenehmen Gerüchen. Daher nutzt auch das gründlichste Zähneputzen nur kurzfristig, denn es beseitigt nicht die eigentlichen Ursachen für die Geruchsbildung. Unter bestimmten Bedingungen können sich die genannten Bakterien sogar explosionsartig vermehren, das natürliche Gleichgewicht in der Mundhöhle ist dann völlig zerstört. Begünstigende Faktoren für die Entstehung von Mundgeruch sind z.B. verminderter Speichelfluss, Rauchen, Mundatmung, Schnarchen, emotionaler Stress, aber auch Fastenperioden und bakterielle Fehlbesiedlung der Mundhöhle durch die Einnahme von Antibiotika. Doch auch übertriebene Mundhygiene lässt das gesamte System Mundhöhle sehr schnell instabil werden.

Am Anfang einer erfolgreichen Therapie sollte immer die Bestimmung der Intensität des Mundgeruch stehen. Dafür existieren mittlerweile verschiedene erprobte Methoden. Bei der sogenannten organoleptischen Methode (Geruchsmessung mittels Nase) wird der Mundgeruch durch den Geruchssinn des Untersuchenden beurteilt. Die Ausatemluft wird dabei aus verschiedenen Entfernungen beurteilt und bewertet. Diese Methode ist aber durch ihre Subjektivität sehr von der Erfahrung des Untersuchers abhängig und setzt eine gehörige Portion Erfahrung voraus. Auch das "schnuppern" des Atems ist für den Betroffenen als auch für den Arzt nicht immer angenehm. Doch auch hier hält der Fortschritt Einzug in die Behandlungszimmer. Denn durch wissenschaftliche Forschungen lässt sich Geruch auch auf elektronischem Weg ermitteln. Neue elektronische "Nasen" können die Stärke von Gerüchen exakt messen. Es lässt sich damit sehr genau bestimmen, ob und in welcher Stärke ein Patient an Mundgeruch leidet. Bei diesem "Halimeter®" werden ausschließlich die Schwefelverbindungen aufgezeichnet, die zu unangenehmen Geruch führen. Ermittelt wird bei der Messung ein Messwert, der aufzeigt, wie stark die Konzentration  an Schwefelmolekülen in der Ausatemluft ist. Gemessen wird in ppb (Teile pro Milliarde). Ein Ergebnis zwischen 50 und 100 ppb gilt als unbedenklich. Hier liegt also keine unangenehme Geruchsbildung vor. Ab 100 ppb ist in der Regel ein Mundgeruch wahrnehmbar, bei Werten zwischen 300 und 400 meist schon auf Sprechdistanz (ca. 1,5 m).



Wer also ganz sicher gehen möchte, ob er unter Mundgeruch leidet, sollte eine solche Messung durchführen lassen. Aufgrund der hohen Anschaffungskosten ist dieses Gerät in Deutschland bislang noch nicht sehr stark verbreitet und erst in einigen Spezialpraxen und Unikliniken verfügbar, also im Vorfeld gründlich recherchieren. Denn für den geübten Behandler bietet das Halimeter einen großen Nutzen. Es lässt sich damit nicht nur die Stärke der Geruchsbildung messen. Der erfahrene Arzt ist mit diesem Messgerät auch in der Lage festzustellen, wo die Gase ihren Ursprung haben (z.B. aus Zahnfleischtaschen, der Lunge oder aus der Nase).

Zur dauerhaften Beseitigung des festgestellten Mundgeruchs ist immer eine gründliche Forschung nach den eigentlichen Ursachen notwendig. Deshalb sollte bei einer professionellen Mundgeruchsprechstunde eine umfassende Anamnese (Krankengeschichte) erhoben werden. Hilfreich ist dabei das sorgfältige ausfüllen eines meist mehrseitigen Fragebogens in aller Ruhe zu Hause. Die Auswertung dieses Anamnesebogens bietet wichtige Informationen zur individuellen Vorgeschichte, medizinischen Vorerkrankungen, der Häufigkeit des Auftretens von Mundgeruch sowie bereits durchgeführten Maßnahmen. Auch für den Patienten scheinbar belanglose Fragen können wichtige Hinweise auf die Ursachen geben. Auf Basis dieser Untersuchung wird durch den behandelnden Arzt ein individuelles Therapiekonzept erarbeitet. Für eine optimale Umsetzung sollte sich der Patient allerdings auch an die im Therapieplan erarbeiteten Schritte zu halten, um einen dauerhaften Erfolg zu erzielen. Dazu gehört unter Umständen auch eine Umstellung der Lebensgewohnheiten, eine veränderte Mundpflege aber auch Veränderungen bei der Ernährung.

Fazit: Mundgeruch ist ein unangenehmes Übel, kann aber mit professioneller Hilfe dauerhaft beseitigt werden.



Dr. med. dent. Karsten Heurich
Wittelsbacherstraße 28
D-10707 Berlin- Wilmersdorf
Tel.: 030 - 863 94 917
www.halitosis-therapie.de

 

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